Wissenswertes

Wie wir arbeiten – und wann ein Pettraileinsatz
sinnvoll ist



Dein Tier ist weg, und du willst alles tun, um es so schnell wie möglich wiederzubekommen. Das ist völlig verständlich. Oft kommt dann schnell der Gedanke oder der Rat aus den sozialen Medien: „Ihr braucht einen Suchhund!“ Diesen Kommentar findest du unter fast jedem Suchpost. Leider ist ein Suchhundeinsatz nicht immer die geeignetste und meistens auch nicht die erste Wahl. Warum das so ist, erklären wir in diesem Artikel.

Wir gehen größtenteils nur dann in den Einsatz, wenn Gefahr für das Leben des vermissten Tieres droht.

Pettrailing ist immer nur ein Baustein innerhalb der gesamten Tiersuche, nie das alleinige Mittel. Bevor wir einen Suchhund ansetzen, prüfen wir gemeinsam mit dir, ob dein Tier zum aktuellen Zeitpunkt tatsächlich davon profitiert.

Häufig ist die Chance, dass wir das Tier direkt finden, nahezu bei null, denn solange ein Tier mobil ist, können wir es nicht direkt finden. Trotzdem können wir sinnvoll tätig werden: Wir kreisen Gebiete ein, bestimmen eine Laufrichtung oder überprüfen eine Sichtung, sodass danach weitere Maßnahmen eingeleitet werden können. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass sich das Tier verletzt hat, irgendwo festhängt oder eingeschlossen ist. In diesem Fall ist ein Einsatz durchaus sinnvoll. Bei einem Hund, der mit Schleppleine entlaufen ist, muss man das immer im Kopf behalten, wenn länger keine Sichtungen kommen.

Bei diesen Tieren ist eine Suche mit Pettrailern angezeigt:
• Hunde, die in einen Unfall verwickelt waren und möglicherweise verletzt sind
• Hunde, die mit einer Leine entlaufen sind • sehr junge, sehr alte und/oder kranke Hunde
• Hunde, von denen es seit einigen Tagen keine Sichtungen mehr gibt

In diesen Fällen ist ein rascher Einsatz sinnvoll, denn das Tier kann nicht mehr flüchten, und der Suchhund kann es im Idealfall direkt finden oder zumindest ein Gebiet eingrenzen. Das gilt auch, wenn ein Tier trotz großflächigen Flyerns über mehrere Tage spurlos bleibt und eine hilflose Lage oder eine ungewollte Mitnahme nicht ausgeschlossen werden kann.

Nicht gesucht wird in der Regel, wenn …
• der Hund mobil ist,
• es Sichtungen des Hundes gibt,
• sich der Hund bereits in einem Bereich festgesetzt hat und die Gefahr besteht, dass er von dort wieder verscheucht wird,
• der Hund ängstlich ist und ein Aufscheuchen ihn vermutlich weitertreiben würde.

ACHTUNG:
Bei einem ängstlichen Hund ist weniger oft mehr!

Ist dein Hund mobil unterwegs, gibt es ein gut beflyertes Gebiet und regelmäßige Sichtungen, so raten wir meist von einem Trailhund-Einsatz ab, und zwar aus einem ganz praktischen Grund: Ein mobiler Hund lässt sich schlicht nicht einholen. Er bleibt nicht stehen, nur weil wir kommen. Hinzu kommt, dass wir meist erst einige Tage nach dem Entlaufen gerufen werden, häufig liegen zwischen Entlaufen und Einsatz bereits drei bis vier Tage. Wir laufen also im wahrsten Sinne der Vergangenheit hinterher: Selbst ein perfekter Trail würde uns bestenfalls dorthin führen, wo dein Hund vor einigen Tagen war, nicht dorthin, wo er jetzt ist.

Zur Frage, ob ein Suchhund einen gesuchten Hund „verscheucht“: Diese Sorge halten viele Halter zunächst für naheliegend, hat sich in unserer langjährigen Einsatzpraxis aber nicht bestätigt. Ein Trailhund beeinflusst das gesuchte Tier nach unserer Erfahrung nicht mehr und nicht weniger als ein ganz normaler, Gassi gehender Hund, der zufällig vorbeikommt.

Warum Sichtungen oft in Wellen kommen

Ein Phänomen, das viele Besitzer verunsichert, aber gut erklärbar ist: Läuft ein Hund aus Angst weg, sei es durch einen plötzlichen Schreck oder weil ein ohnehin ängstlicher Hund eine Gelegenheit zur Flucht gefunden hat, rennt er zunächst eine ganze Weile, angetrieben vom Adrenalin. Danach sucht er sich meist ein Versteck und bleibt dort, bis sein parasympathisches Nervensystem wieder die Oberhand gewinnt, er also wieder zur Ruhe kommt. Erst wenn sich Hunger einstellt, wagt er sich vorsichtig aus dem Versteck heraus.

Das erklärt ein typisches Muster: In den ersten Minuten nach dem Entlaufen gibt es häufig sehr viele Sichtungen, weil der Hund in der Adrenalinphase noch in Bewegung ist und dabei gesehen wird. Danach folgt oft eine sichtungsfreie Phase von einigen Tagen, in der er sich im Versteck beruhigt. Diese ruhige Phase macht Besitzer meist sehr nervös, ist aus unserer Erfahrung aber grundsätzlich kein schlechtes Zeichen. Im Gegenteil: Am gefährlichsten ist die erste, kopflose Phase, in der ein panischer Hund führungslos durch die Gegend rast. Hier besteht das mit Abstand höchste Risiko, dass er im Straßenverkehr verunglückt. Ein Hund, der sich zurückgezogen hat und ruhig in einem Versteck verharrt, ist in diesem Moment tatsächlich sicherer als in den ersten hektischen Minuten.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass ein entlaufener Hund niemals gejagt wird: Es verlängert die Panikphase und erhöht die Gefahr, dass er durch Auto- oder Bahnverkehr zu Schaden kommt. Das gilt auch für Hunde, die nicht aus Angst weggelaufen sind, zum Beispiel jagdlich motivierte. Ein Hund, der sein gewohntes Umfeld verloren hat, verfällt schon nach kurzer Zeit in ein fast ausschließlich instinktives Verhalten. Jeden, der ihm hinterherrennt, nimmt er dann als Bedrohung wahr und ergreift mit hoher Wahrscheinlichkeit die Flucht.

Vor dem Einsatz

Bevor wir bei einem mobilen Hund überhaupt über einen Einsatz nachdenken, sollten idealerweise bereits einige Dinge passiert sein («Link»): eine ausreichende Anzahl an Flyern im Umfeld, die Information wichtiger Stellen wie Polizei, Ordnungsamt, zuständiger Förster oder Jagdpächter und der umliegenden Tierärzte, die Verbreitung deiner Suchmeldung in den sozialen Medien sowie – falls möglich – das Auslegen einer sogenannten Heimwegschleppe (Infos dazu, was das ist und wie man diese Schleppe ausbringt, findest du «hier»). Wir besprechen mit dir gemeinsam, wie ob ein Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll wäre. Grundsätzlich ist das Vorhandensein eines sauberen, eindeutig zuordbaren Geruchsartikels deines Hundes eine notwendige Voraussetzung für eine Suche.

Geruchsartikel und Mehrtierhaushalte

Für einen erfolgreichen Sucheinsatz ist ein möglichst reiner, unvermischter Geruchsartikel deines Tieres entscheidend. In einem Haushalt mit nur einem Tier ist das meist unkompliziert – schwieriger wird es, wenn mehrere Tiere zusammenleben, denn dann teilen sie sich häufig Körbchen, Liegeplätze, Decken oder Spielzeug und der Geruch vermischt sich zwangsläufig. Wenn es von diesen anderen Tieren auch eine Spur an der Stelle gibt, wo wir mit der Suche beginnen wollen (was häufig der Fall ist), dann weiß der Suchhund erst einmal nicht, welche Spur er nun verfolgen soll.

Deshalb ist es bei einem Mehrtierhaushalt wichtig, dass alle Tiere, die denselben Geruchsträger benutzt haben könnten, mit an den Startpunkt der Suche – sei es der Entlaufort, der letzte Sichtungspunkt oder die Unfallstelle – gebracht werden, damit unser Hund ihren Geruch dort gezielt ausschließen kann. Dasselbe gilt im Übrigen für alle Menschen im Haushalt. Nur so können wir sicherstellen, dass unser Hund tatsächlich der Spur deines Tieres folgt und nicht versehentlich der eines Mitbewohners.

Noch besser ist es, wenn ein sauberer Geruchsartikel gar nicht erst im akuten Notfall hergestellt werden muss, sondern schon vorab existiert. Wir empfehlen daher grundsätzlich jedem Halter, unabhängig davon, ob es sich um einen Einzel- oder Mehrtierhaushalt handelt, für jedes Tier einzeln einen Geruchsartikel vorzubereiten und aufzubewahren: etwa einen Wattetupfer mit etwas Speichel oder ein paar abgeschnittene Haarspitzen in einem sauberen, bislang unbenutzten Glas mit dicht schließendem Deckel, kühl und dunkel gelagert. Dieses Glas wird im besten Fall nie wieder geöffnet, bis wir es im Ernstfall brauchen. So sparen wir im Notfall wertvolle Zeit – den Link zum Erstellen eines Geruchsartikels findet ihr hier: «Link»

Wie läuft ein Pettrail-Einsatz ab?

Wenn wir einen Suchhundeinsatz für sinnvoll ist, benötigen von deinem Tier zunächst einen möglichst „sauberen“ Geruchsartikel – Infos dazu, was das sein kann und wie man ihn sichert, findest du «hier».

Dann gehen wir an die Stelle, an der du dein Tier zuletzt gesehen hast. Gab es nach dem Entlaufen noch sehr zuverlässige Sichtungen, nehmen wir eventuell stattdessen diese Punkte. Dort setzen wir den Hund an und lassen ihn am Geruchsartikel riechen. Am Start müssen alle Personen und Tiere sein, die den Geruchsartikel berührt und eine Spur an dieser Stelle hinterlassen haben, damit der Suchhund sie ausschließen kann, siehe «hier».

Ab dann übernimmt ein Hund die Führung – wir folgen ihm schauen, was passiert. Anschließend überlegen wir anhand des gelaufenen Trails des Hundes und unserer Beobachtungen, wie sich der Hund während der Suche verhalten hat, welche Aussagen wir zum möglichen Aufenthaltsort des vermissten Tieres treffen können.

Ab dann übernimmt der Hund die Führung und wir folgen ihm. Wir dokumentieren dabei den gelaufenen Weg per GPS und merken uns, wo der Hund besonders interessiert wirkt, wo er die Arbeitsintensität ändert und wo er den Trail abbricht. Auch das Verhalten des Hundes ist eine Information: Läuft er zielstrebig und schnell, sucht er suchend hin und her oder hat er die Spur offenbar verloren?

Anschließend werten wir gemeinsam aus, was wir daraus ableiten können: in welche Richtung das Tier gelaufen ist, in welchem Gebiet der Suchhund keine Spur mehr findet und welche Aussagen wir zum möglichen Aufenthaltsort treffen können. Ist das Tier verletzt oder hängt fest, so kann der Suchhund es im besten Fall direkt finden, meistens jedoch eher ein Gebiet eingrenzen. Auch eine Sichtungsüberprüfung liefert eine Aussage: Nimmt der Hund an der Sichtungsstelle die Spur auf, spricht das dafür, dass es sich tatsächlich um dein Tier gehandelt hat.

Dabei ist wichtig zu wissen: Ein Trail zeigt, wo das Tier gelaufen ist, nicht unbedingt, wo es jetzt ist. Bricht der Hund den Trail ab oder gibt ein Negativ, heißt das nicht automatisch, dass wir nichts erreicht haben. Auch das ist eine Information, die uns bei der Planung der nächsten Schritte hilft.

Auf dieser Grundlage besprechen wir mit dir, wie es weitergeht: Wo Flyer verteilt werden sollten, wo Futterstellen und Kameras sinnvoll sind, wo Schleppen gelegt werden können. Die Ergebnisse tragen wir außerdem in die Sichtungskarte ein, damit alle Informationen an einer Stelle zusammenlaufen.

Ausrüstung

Ausrüstung

Ob kleine oder große Lebendfalle, Wildkamera zur Beobachtung von Futterstellen oder Live-Cam: Wir versuchen, dir die passende Ausrüstung zur Verfügung zu stellen.

Suchplakate

Suchplakate

Für die erfolgreiche Suche nach Deinem Tier brauchst du auch ein aussagekräftiges Suchplakat – ob für die Verbreitung in sozialen Medien oder zum Aushängen vor Ort.

Drohneneinsatz

Drohneneinsatz

Für einen möglichen Drohneneinsatz greifen wir auf ein Netzwerk erfahrener und zuverlässiger Piloten zurück.